Der Glockenklang, mit dem die entfernte Kirche zur Abendmesse rief, verhallte in der Dunkelheit. Es schneite, erst in winzigen Splittern, dann in jenen dicken Flocken, die Kinder so gerne mit ihren Zungen auffingen – wenn sie sich bei diesem Wetter überhaupt vor die Tür trauten. Oder wenn es ihre Eltern erlaubten. Eine der Straßenlaternen flackerte, letztlich erlosch sie ganz. Morgen würde sie wohl ausgetauscht werden – oder auch nicht.

Ich geisterte durch die Dunkelheit, flog über die verschneiten Straßen. Mein Ziel existierte nicht, ich war letztendlich tot. Dies war ein Vorteil, ich fror nicht, musste nichts essen und kaum schlafen. Eigentlich schlief ich mehr oder weniger zum Spaß, aus Gewohnheit. Auf meiner Reise durch die Welt treffe ich immer wieder andere Seelen, ab und zu rede ich auch mit ihnen. Als Mensch hatte ich schon ungern mit anderen Menschen geredet, jetzt war mein Bedürfnis nach Kommunikation komplett zurück gebildet. Ich schwebte über in Haus, und anders als sonst sah ich zum Fenster hinein. Dort saß eine Familie beim Abendbrot. Sie erzählten sich von ihrem Tag, und lachten gemeinsam. Da überkam mich eine Sehnsucht, ich wollte wieder eine Familie haben, mit ihnen streiten uns mich danach glich wieder mit ihnen versöhnen, mit ihnen lachen und weinen. Voller Sehnsucht flog ich auf den nächsten Berg, setzte mich hin und dachte nach. Ich weinte nicht, denn das konnte ich nicht mehr. Es war etwas anderes, ich kann es nicht beschreiben. Es war ein Stoff, welcher nicht von dieser Welt war. Da fiel mir ein, was ich früher immer getan hatte, wenn ich etwas dringend los zu werden hatte. Auf dem sandigen Untergrund sah ich einen Ast liegen. Ich hob ihn auf, und schrieb. Als der Morgen graute, war der gesamte Untergrund voller Wörter. Rasch verwischte ich sie. Nun gin es mir besser. Ich flog davon, so würde es auf ewig weitergehen?


 

© by l.h.

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